Verkehrsplanung und Verkehrstechnik

Nina Moser

Gesellschaftliche Ziele im Mobilitätsbereich, wie beispielweise die Reduktion des Schadstoffausstoßes, sollen durch zielführende raumplanerische Ansätze verfolgt werden können. Deshalb ist es notwendig, nicht nur eine Aufzählung regional-lokaler Elemente (Raumstruktur und sozialräumliche Umgebung) mit Einfluss auf Verkehrsmittelwahl zu erheben, sondern auch zu untersuchen, wie diese mit Erfahrungen und Emotionen verknüpft sind, um eine etwaige Beeinflussbarkeit des individuellen Mobilitätsverhaltens durch infrastrukturelle Maßnahmen feststellen zu können.
Um dies zu untersuchen, wurden im Rahmen dieser Arbeit qualitative leitfadengestützte Interviews geführt, um den Ausschnitt einer Mobilitätsbiographie zu erfassen. Diese Untersuchungsmethode berücksichtigt die Routinisierung des Mobilitätsverhaltens, durch die Analyse von Veränderungsprozessen. Die 17 Interviews mit Personen, welche in den letzten zwei Jahren vom ländlichen Raum in die Stadt Wien gezogen sind, wurden einer thematischen Analyse unterzogen, welche die folgenden Schlüsse zulässt.
Den größten Einfluss auf die individuelle Verkehrsmittelwahl hat die unabhängige und flexible Erreichbarkeit sämtlicher Ziele einer Person; ist diese durch verschiedene Verkehrsmittel gegeben, kommen die Faktoren Sicherheit und Nutzungsaufwand als Entscheidungsgrundlagen hinzu. Im Zusammenhang mit aktiver Mobilität sind zusätzlich die Nutzungsmischung, die Aufenthaltsqualität, das soziales Leben und die Verteilung der Nutzungsrechte im öffentlichen Raum relevant. Des Weiteren ist das Selbstbild in Bezug auf körperliche Aktivität und das Verhalten Bekannter von Wichtigkeit. Allgemein zeigt sich unter den befragten Personen, welche der Generation der „Millennials“ angehören, ein durchgehendes Muster pragmatischer (Mobilitäts-)Entscheidungen. Je nach Raumstruktur (Land oder Stadt) wird zwischen den am besten geeigneten Verkehrsmitteln gewechselt, im Rahmen persönlicher finanzieller Möglichkeiten. Dieser Pragmatik folgt jedoch auch ein Mangel an Vorstellungskraft, dass Veränderungen raumstruktureller Elemente (bspw. Implementierung von mehr Begrünung in der Stadt) möglich sind.
Als Schlussfolgerung können Ansatzpunkte zur Beeinflussung des Mobilitätsverhaltens von Zuzüglerinnen und Zuzüglern festgestellt werden. Ein Punkt steht allen voran, welcher infrastrukturelle Maßnahmen ergänzen sollte – die Möglichkeiten zur Veränderung des öffentlichen Raumes anschaulich darzustellen und deren positive Wirkung auf bestehende Probleme zu kommunizieren sowie die Vorstellungskraft anzuregen. Zudem sind Bereiche feststellbar, auf welche sich Raumplanerinnen und Raumplanern fokussieren sollen, um Zielsetzungen im Mobilitätsbereich zu erreichen, allen voran die Erreichbarkeit mit hohem Sicherheitsgefühl und geringem Nutzungsaufwand zu gewährleisten. Des Weiteren wird am meisten Veränderungspotential und -wunsch bei aktiver Mobilität geäußert, insbesondere die Radinfrastruktur in der Stadt Wien gewährt kein ausreichendes Sicherheitsempfinden, zu wenig Orientierungsmöglichkeiten und verursacht Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmern. Zur weiteren Förderung aktiver Mobilität ist die Nutzungsmischung zu gewährleisten sowie der öffentliche Raum mit Aufenthaltsqualität und hohem Erholungswert zu gestalten.
Diese Ansatzpunkte, bzw. allgemein die Ergebnisse dieser Arbeit, können zur Überprüfung von Maßnahmenkatalogen und Entwicklungsstrategien im Bereich urbane Mobilität herangezogen werden, wie am Beispiel des Stadtentwicklungsplan Wien „STEP 2025 – Fachkonzept Mobilität“ gezeigt wird.