Verkehrsplanung und Verkehrstechnik

Romana Langer

Begegnungszonen sind seit dem Jahr 2013 in Österreich in der Straßenverkehrsordnung (StVO) verankert. Viele Städte und Gemeinden haben dieses Verkehrskonzept, die den Straßenraum für alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt zur Verfügung stellt, bereits verordnet. Besonders in Ortszentren, also an Orten mit vermehrtem Querungsbedarf von Fußgängern bei einem gleichzeitig hohen Verkehrsaufkommen an Fahrrädern und motorisiertem Verkehr, sind Begegnungszonen ein beliebtes Planungstool geworden. Funktioniert die Umsetzung nach einer gelungenen Planung, sollen sie eine sozial- und wirtschaftsfördernde Entwicklung mit sich bringen sowie Lärm und Schadstoffemissionen reduzieren. Die Lebens- und Aufenthaltsqualität soll erhöht werden daher spielt die Einbindung der Bürger bei der Planung eine große Rolle. Durch vorausschauendes und rücksichtsvolles Verhalten aller Benutzer solcher Straßenzonen werden Unfälle weitestgehend vermieden beziehungsweise erfolgen keine schwerwiegenden Unfälle, da die Höchstgeschwindigkeit bei 20 km/h (in Ausnahmefällen 30 km/h) liegt. Soviel zu den in der Richtilinie für Straße und Schiene (RVS) Arbeitsblatt Nr. 27 definierten Einsatzkriterien für Begegnungszonen.
Im Zuge der ersten Recherchen für diese Arbeit fiel auf, dass das Verkehrskonzept der Begegnungszone, welches auf gegenseitiger Rücksicht basiert, besonders für Menschen mit Sehbehinderung eine große Herausforderung darstellt. Daher liegt der Schwerpunkt der Arbeit auf der Situation von Blinden und Sehbeeinträchtigten in Begegnungszonen. Hierfür wurde Kontakt mit dem Blinden- und Sehbehindertenverband Österreichs (BSVÖ) aufgenommen und es wurden an den Beobachtungsorten dieser Arbeit (Ried im Innkreis, Weberzeile; Wels, Kaiser-Josef-Platz; Wien, Mariahilfer Straße; Villach, Bahnhofstraße) gemeinsame Begehungen mit blinden Vertretern des Verbandes vorgenommen. Der BSVÖ hat einen Kriterienkatalog zur Planung von Begegnungszonen formuliert, welcher in die Novelle der ÖNORM V 2102 Taktile Bodeninformationen (TBI) – Technische Hilfen für Sehbehinderte und Blinde eingearbeitet wurde. Dieser Katalog wurde herangezogen um die bearbeiteten Begegnungszonen dieser Arbeit nach ihrer Tauglichkeit in Hinblick auf die Bedürfnisse von Blinden und Sehbeinträchtigten Personen einzuschätzen.
Im Rahmen der vorliegenden Masterarbeit wird anhand von vier verschiedenen Begegnungszonen Österreichs beobachtet, inwieweit sich Fußgänger, Autofahrer, Radfahrer, Anrainer (Gewerbe und Wohnen) der Verkehrssituation „Begegnungszone“ anpassen und aufeinander Rücksicht nehmen.
Gleichzeitig werden das subjektive Aufenthaltsempfinden sowie die subjektive Wahrnehmung aller Verkehrsteilnehmer bezüglich der einer Begegnungszone entsprechend korrekten Verhaltensweise der jeweils anderen Verkehrsteilnehmer erfragt. Beispielsweise: Halten sich Fahrzeuge an die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit?
Um ergänzend zu dieser Auswertung objektive Ergebnisse zu erhalten, werden an den genannten Untersuchungsorten nicht nur Befragungen sondern auch Messungen durchgeführt. Diese erfolgen durch Radarmessungen und Verkehrsverhaltensbeobachtungen der unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer in den Begegnungszonen. Durch Begehungen mit blinden bzw. stark sehbeeinträchtigten Personen an den jeweiligen untersuchten Begegnungszonen wird das subjektive Empfinden betroffener Personengruppen untersucht.