Verkehrsplanung und Verkehrstechnik | Institut für Verkehrswissenschaften

Technische Universität Wien

Kurzfassung DI Dr. techn. Gerda Hartl

Österreich ist seit 1992 Mitglied der UN-Klimarahmenkonvention und hat das Kyoto-Protokoll ratifiziert.

Dessen Ziel ist es, eine globale Erderwarmung von über 2° Celsius zu verhindern ("2-Grad-Ziel").

In der Kyoto-Periode 2008 bis 2010 verfehlte Österreich aber sein vorgesehenes Treibhausgasreduktionsziel bei weitem, hauptverantwortlich hierfür war der Wirtschaftssektor "Verkehr". 99% des C02-Ausstoßes dieses Sektors entstammen in der Hauptstadt Wien 2010 dem Straßenverkehr.

Es stellt sich daher die Frage, wie die überfällige C02-Reduktion im Wiener Straßenverkehr bewerkstelligt werden kann obwohl die Bevölkerung Wiens von 2010 bis 2050 um 25% zunehmen wird.

Da ein Viertel aller werktaglichen Wege Berufswege sind, kann der Wiener Berufspendlerverkehr vor dem Hintergrund dieser Fragestellung untersucht werden.

Die dekadisch durchgeführten Volkszahlungen bieten verkehrsmittelfeines Datenmaterial zu den Pendlerverflechtungen der Wiener Berufspendler. Das Verkehrsmodell Wien der Stadt Wien dient als Abbild des Verkehrsnetzes, raumliche Strukturdaten der Statistik Austria werden von der Autorin in einem GIS-System zusammengeführt und bearbeitet.

Die Kombination dieser drei Datenlevel ermöglicht es, ein Bild der Ursachen des C02-Anstiegs im

Wiener Binnenpendlerverkehr von 1971 bis 2001 zu zeichnen. Für das Jahr 2001 steht eine detaillierte Betrachtung der Wohnorte, Arbeitsorte und Wege, im speziellen der Pkw-Pendler, im Mittelpunkt. Unter mannigfaltigen Blickwinkeln werden Siedlungsgebiete besonders intensiven Pkw-Pendlerverkehrs herausgearbeitet, wobei auch die lokale Bebauungsstruktur eine Rolle spielt.

Ausführliche statistische Analysen der aus dem Datenmaterial gerierierten räumlichen und verkehrlichen Kennzahlen bringen Faktoren zum Vorschein, die starken Einfluss auf das Ausmaß zurückgelegter Pkw-Kilometer im Pendlerverkehr haben. Die Kenntnis dieser Faktoren wirft auch ein Licht auf die räumlich-strukturellen Voraussetzungen C02-minimierender Stadtgebiete.

Anhand von zwei Szenarien werden vorhandene C0 2-Einsparungspotentiale für das Jahr 2001 skizziert. Ein drittes Szenario veranschaulicht schlussfolgernd Umsetzungsmöglichkeiten des vorgeschlagenen Lösungsweges einer "Verdichtung".

Die Ergebnisse vorliegender Dissertation verdeutlichen die Tragweite der Beeinflussung des Verkehrsverhaltens durch die Bebauungsweise und streichen damit die Problematik der auch innerhalb der Stadt Wien zu findenen "Zersiedelung" hervor.

Würde das aus der Zwischenkriegszeit vererbte Paradigma, welches mit dieser Bauweise "hohe Lebensqualität" assoziiert, gebrochen und stattdessen die städtische Blockrandbebauung konsequent fortgesetzt, wäre die C02-neutrale, "fußläufige Stadt" tatsachlich kaum weiter als einen Schritt entfernt.

www.fvv.tuwien.ac.at