Verkehrsplanung und Verkehrstechnik | Institut für Verkehrswissenschaften

Technische Universität Wien

Was ist System Dynamics?

Erklärung

Philosophen, Wissenschaftler und Managementexperten gleichermaßen sehen in der Entwicklung eines Systemdenkens eine geeignete Möglichkeit, die Komplexität einer sich ständig verändernden Welt zu beherrschen (Sterman 2000, S. 4). D.h., dass die Welt als ein komplexes System verstanden wird, in dem Einzelhandlungen Auswirkungen auf nicht direkt betroffene Bereiche haben und in dem im Prinzip alles mit allem verbunden ist. Seit dem frühen 20. Jahrhundert haben sich mehrere unterschiedliche Schulen des Systemdenkens herausgebildet. (Ossimitz 2000) führt u.a. allgemeine Systemtheorie, Kybernetik, System Dynamics, systemisches Management, ökologische, biologische, kommunikationstheoretische, soziologische, konflikttheoretische, ökonomische, technische und psychologische Systemansätze an. System Dynamics wurde in dem 1950er Jahre von Jay Forrester und seinen Kollegen an der Sloan School of Management am Massachusetts Institute of Technology (MIT) begründet. „System Dynamics ist eine Methode, um das Lernen in komplexen Systemen zu verbessern[1] (Sterman 2000, S. 4). Ähnlich wie Flugsimulatoren für Piloten kann System Dynamics, vor allem in Form von Simulationsmodellen, dazu verwendet werden, dynamische Verflechtungen zu verstehen, die Ursachen für Politikresistenz zu identifizieren und effektivere Politiken zu formulieren. Der Werkzeugkasten von System Dynamics beinhaltet sowohl qualitative Methoden (Ursache-Wirkungs-Diagramme) als auch quantitative Methoden (Stock-Flow-Modellierung). Mit ersteren können logische Modelle erstellt und erste Aussagen über das grundsätzliche Systemverhalten getroffen werden. Mit zweiteren können prognosefähige mathematische Modelle formuliert werden. „Aber, Lernen über komplexe dynamische Systeme benötigt mehr als mathematische Modelle. System Dynamics ist grundlegend interdisziplinär[2] (Sterman 2000, S. 4). System Dynamics basiert auf den in Mathematik, Physik und Ingenieurwissenschaften entwickelten Theorien zu nichtlinearen, rückgekoppelten Systemen. Die Werkzeuge von System Dynamics eignen sich gleichermaßen zur Beschreibungen physischer, technischer und sozialer Systeme. System Dynamics baut daher auch wesentlich auf Erkenntnissen aus der Wahrnehmungs- und Sozialpsychologie, den Wirtschaftswissenschaften und der Sozialwissenschaft auf. System Dynamics Modelle dienen dazu, die Herausforderungen der realen Welt zu meistern. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer effizienten Einbindung relevanter Stakeholder und Entscheidungsträger bis zu einer umfassenden Bürgerbeteiligung.

Fussnoten

[1] Eigene Übersetzung, Original in Englisch: „System dynamics is a method to enhance learning in complex systems“.

[2] Eigene Übersetzung, Original in Englisch: „But learning about complex dynamic systems requires more than technical tools to create mathematical models. System dynamics is fundamentally interdisciplinary“.

Literatur

Ossimitz, G. (2000) Einführung in die Systemwissenschaften, Karl-Franzens Universität Graz. Graz.

Sterman, J. D. (2000) Business Dynamics - Systems Thinking and Modeling for a Complex World, McGraw-Hill Higher Education.

Links

System Dynamics Society

System Dynamics Society: Link

www.fvv.tuwien.ac.at