Verkehrsplanung und Verkehrstechnik | Institut für Verkehrswissenschaften

Technische Universität Wien

Michael Stockmayer

EINFLUSS DER ATTRAKTIVITÄT DES FUSSWEGES AUF DEN BEDIENUNGSBEREICH VON PARKGARAGEN

Die Bedeutung des Fußgängerverkehrs wird allgemein stark unterschätzt, obwohl er ein wichtiger Bestandteil jeder gebrochenen Wegkette ist. Diese Unterschätzung und die Forcierung des motorisierten Individualverkehrs führte zu den heute vorliegenden automobilorientierten Strukturen, in denen sich der Fußgänger mit Restflächen begnügen muß. Die Attraktivität eines Fußweges wird im wesentlichen durch die bauliche Gestaltung der Straße bestimmt. Diese Attraktivität ist das Hauptkriterium für die Akzeptanz eines Fußweges, welche durch Ansprechbarkeiten - die anhand einer Befragung von Parkgaragenbenützern ermittelt wurden - verifiziert werden können. Die Ansprechbarkeit nimmt mit steigender Weglänge ab, je geringer dieser Abfall ist, desto höher bleibt die Attraktivität des Fußweges und somit sein Anteil an der gebrochenen Wegkette. Die Ansprechbarkeit ist prinzipiell im Arbeitsplatzverkehr am höchsten, gefolgt vom Einkaufs - und Wohnungsverkehr. Bezüglich der Fußgängerfreundlichkeit eines Fußweges liegt in der Bevölkerung ein mangelndes Problembewußtsein vor. Deshalb muß die subjektive Beurteilung der Fußgängerfreundlichkeit (durch die befragten Personen) durch eine objektive Bewertung des Weges ersetzt werden. Diese basiert auf einer zahlenmäßigen Erfassung der Fußgängerfreundlichkeit der durchgangenen Struktur. Eine höhere Fußgängerfreundlichkeit der Struktur bewirkt nachweislich nur in jenen Verkehrsarten eine Erhöhung der Ansprechbarkeit, in denen das Ziel frei gewählt werden kann ‑ d.h. in allen Teilverkehrsarten des Gelegenheitsverkehrs. Das bedeutet, daß eine Erhöhung des Fußweganteiles in der gebrochenen Wegkette des Arbeitsplatz‑ und Wohnungsverkehrs nicht durch eine bloße Erhöhung der Attraktivität des Fußweges erreicht werden kann! Hier müssen andere Mechanismen zur Erhöhung des Fußweganteiles eingesetzt werden. Neben der Verkehrsart und der Fußgängerfreundlichkeit der Struktur ist kein anderer Einflußfaktor auf die Ansprechbarkeiten nachweisbar.

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