Verkehrsplanung und Verkehrstechnik | Institut für Verkehrswissenschaften

Technische Universität Wien

Ursula Mollay

KONZEPT EINES MARKETINGS FÜR DAS ZUFUSSGEHEN

Neben der gezielten Förderung des Zufußgehens und der Verbesserung der Anlagen ist es jedenfalls sehr wichtig, ein Zusammenarbeiten möglichst aller Disziplinen, die von Verkehrsplanung und Stadtplanung betroffen sind, zu verwirklichen und zu fördern. Stadtgestaltung (und somit auch Verkehrsplanung in der Stadt) stellt ein interdisziplinäres Wissens- und Forschungsgebiet dar. Beiträge aus Fachgebieten wie Sozialpsychologie, Wahrnehmungspsychologie, Gestaltpsychologie, Informationspsychologie, Stadtsoziologie, Stadtgeographie, Anthropologie, Ästhetik, Informationstheorie, Medizin, Biologie und Erkenntnistheorie können ihren Teil dazu beitragen, die Stadt menschenfreundlicher zu machen. Aber auch Raumplanung und Architektur kann und muß einen großen Teil zur Verbesserung der Verhältnisse für Fußgänger in der Stadt beitragen. Die Raumplanung kann die Grundsteine zur Verwirklichung einer fußgängerfreundlichen Stadt Iegen, indem bei Flächenwidmungs- und besonders bei Bebauungsplänen mehr Rücksicht auf kleine Strukturen und kurze Wege genommen wird. Neue Wohnviertel müssen mit Nahversorgung ausgestattet werden und an öffentlichen Verkehrsmitteln liegen. Das Ausweisen von neuen Flächen zum Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, für die Freizeit und für sonstige Aktivitäten darf bei Abhängigkeit vom Pkw nicht mehr genehmigt werden. Für die Fortbewegung und das vernünftige Erreichen aller Ziele in einer Stadt darf die Verfügbarkeit über einen Pkw nicht mehr ausschlaggebend sein. Die Beiträge der Architektur sind abwechslungsreiche Planungen und Fassaden. Die Eintönigkeit der durchgehenden Glasfassaden muß wieder durchbrochen werden, dagegen soll Abwechslung in der Gestaltung eingesetzt werden, um das Interesse und die Aufmerksamkeit der Fußgänger zu wecken. Die Feststellung von Knoflacher, daß wir bei der Planung von Verkehrssystemen dazu gezwungen sind, die Empfindungen des Menschen - qualitativ und soweit möglich auch quantitativ (subjektiv gewertete Zeiten, ...) - zu berücksichtigen und die Intensität der positiven Reizungen (z.B. Gestaltqualität) zu maximieren, gilt also nach wie vor. Stadt- und Verkehrsplanung darf nicht mehr in erster Linie auf das Auto abgestimmt werden. Wichtig ist der Mensch. Aus diesem Grund müssen Planer und Politiker zu menschlichen Dimensionierungen und Bedürfnissen zurückkehren. Dies wird jedoch nur mit intensiver Öffentlichkeitsarbeit und Miteinbeziehung der Bevölkerung möglich sein. Durch eine solche Informationskampagne kann das Entstehen einer Lobby der Fußgänger unterstützt werden. die (wie die sehr starke Autolobby jetzt) weitere Maßnahmen fordert und die Planung sowie Politiker, die ja Veränderungen einleiten müssen, unterstützt.

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