Verkehrsplanung und Verkehrstechnik | Institut für Verkehrswissenschaften

Technische Universität Wien

Markus Kuschey

AUTOFREIE TOURISMUSORTE IN DER SCHWEIZ UND DIE ANWENDBARKEIT DES KONZEPTES AUF ÖSTERREICHISCHE TOURISMUSORTE

Die Arbeit beschäftigt sich nach einem kurzen Überblick über die historische Entwicklung des Fremdenverkehrs und über die durch den Reiseverkehr hervorgerufenen Umweltbelastungen vor allem mit dem Konzept der Autofreiheit in ausgewählten Schweizer Tourismusorten sowie mit der Umsetzbarkeit dieses Konzeptes auf einen österreichischen Tourismusort. Zu den untersuchten autofreien Schweizer Tourismusorten zählen Bettmeralp, Wengen, Braunwald und Rigi-Kaltbad, welche auch Mitglieder der Gemeinschaft Autofreier Schweizer Tourismusorte (kurz: GAST) sind. Diese vier Orte sind, bedingt durch ihre topographische Lage, immer schon autofrei gewesen. Die Erreichbarkeit ist über Seilbahnen, Standseil- oder Zahnradbahnen gegeben. Für die Erledigung des täglichen Güterverkehrs und für den Transport der Gäste und deren Reisegepäck innerhalb des Ortes werden in der Regel Elektromobile oder Pferdefuhrwerke in den Sommermonaten, im Winter zusätzlich Pferdeschlitten eingesetzt. Unter den Begriff "autofrei" versteht die GAST somit den totalen Verzicht auf den individuellen Pkw-Verkehr sowie den größtmöglichen Verzicht auf Verbrennungsmotoren. Folglich wurde versucht, dieses Konzept der Autofreiheit auf den ausgewählten österreichischen Tourismusort Scheffau am Wilden Kaiser umzulegen. Es war aber von Anfang an klar, daß aufgrund der topographischen Lage und aufgrund der guten Erschließung mit Straßen das Konzept nur ansatzweise angewendet werden kann. Das österreichische Konzept sieht somit die Schaffung einer autofreien Zone im Kernbereich der Ortschaft vor, in welcher mit wenigen Ausnahmen das Befahren mit Kraftfahrzeugen untersagt ist. Die Fahrzeuge werden außerhalb des Ortes in einer Parkgarage oder auf Parkplätzen abgestellt. Die Verkehrserschließung erfolgt mittels Autobuslinien und Sammeltaxis. Ferner ist die Errichtung eines Güterzentrums, von wo aus der tägliche Gütertransport mittels Lastentaxis erfolgt, sowie die Umgestaltung des Ortskerns in eine Fußgängerzone vorgesehen. Das österreichische Konzept soll eine von vielen Möglichkeiten aufzeigen, wie Tourismusorte, deren Erholungswert durch die Lärm- und Abgasemissionen der Pkws beeinträchtigt ist, wieder die ihnen entsprechende Wohn-, Erholungs- und Freizeitqualität erlangen können.

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