Verkehrsplanung und Verkehrstechnik | Institut für Verkehrswissenschaften

Technische Universität Wien

Michaela Tiß

IDENTIFIKATION VON URSACHEN UND AUSWIRKUNGEN FEHLENDER VERKEHRSSICHERHEIT FÜR KINDER IM STRASSENVERKEHR. EINE MONETÄRE BEWERTUNG DES ZEITAUFWANDS DER BEGLEITPERSON IN EINER LÄNDLICHEN GEMEINDE

Die Arbeit befaßt sich mit der umfassenden Problematik der unzureichenden Verkehrssicherheit für Kinder im Straßenverkehr, welche auf die zahlrei­chen Mängel der Verkehrs‑ und Raumplanung sowie auf die hohen Geschwindigkei­ten des motorisierten Verkehrs zurückzuführen ist. Die gegenwärtigen Straßenquerschnitte sind ein Beweis für die jahrzehntelange Planung "autogerechter" Strukturen. Als Grundlage diente das sogenannte Regelprofil, welches für den ungehinderten Verkehrsfluß zu sorgen hatte. Durch diesen Mobilitätsgewinn des Kfz‑Verkehrs wurden die nicht-motorisierten Verkehrsteilnehmer vom Straßenraum verdrängt und deren Bewegungsfreiheit, vor allem die der Kinder, auf ein Minimum reduziert. Da die Flächen für Fußgeher und Radfahrer am Rand der Fahrbahn vorgesehen sind, treten diese sehr häufig unerwartet in das Blickfeld der Kfz-Lenker. Aus diesem Grund werden beide Verkehrsteilnehmergruppen besonders zahlreich in Unfälle im Ortsgebiet verwickelt. Aufgrund der fehlenden Verkehrssicherheit im Straßenverkehr haben Kinder das Grundrecht der unabhängigen Mobilität verloren. Kinder, die ständig aus Angst vor den Gefahren des Straßenverkehrs behütet werden, haben aber nur wenige Gelegenheiten selbständig zu handeln. Diese begrenzte Entwicklungsmöglichkeit schränkt die kindliche Unabhängigkeit ein, da soziale Erfahrungen nur ohne Aufsicht erlebt werden können. Wie gezeigt wird, geht diese Restriktion der kindlichen Autonomie aber auch mit einem höheren Zeitaufwand für elterliche Begleitfahrten einher. Die mangelnde Verkehrsorganisation erfordert zahlreiche zeitaufwendige Begleitfahrten, die darüber hinaus auch das finanzielle Budget der Eltern belasten. Außerdem trägt jede einzelne Fahrt mit dem Pkw zur Erhöhung des Verkehrsaufkommens und der negativen Auswirkungen des motorisierten Verkehrs bei. Um nun die Verkehrssicherheit im Straßenverkehr für Kinder erhöhen zu können, müssen zum einen die Kfz-Fahrgeschwindigkeiten vermindert und zum anderen Kinder als Maßstab von Verkehrsplanungsmaßnahmen herangezogen werden. Kann diesen Forderungen Rechnung getragen werden, könnte die unabhängige Mobilität für Kinder wieder ausreichend gewährleistet sowie die negativen Auswirkungen des motorisierten Verkehrs und das gebundene Zeitbudget der Begleitpersonen nachhaltig reduziert werden.

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