Verkehrsplanung und Verkehrstechnik | Institut für Verkehrswissenschaften

Technische Universität Wien

Irene Taferner

SUBJEKTIVE SICHERHEIT VON FUSSGEHERN IM STRASSENVERKEHR

Bewegt sich der Mensch im Straßenverkehr, so dient dieser Vorgang in der Regel der Verrichtung von Aktivitäten, wie Arbeit, Einkaufen und Freizeitgestaltung an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit. Der Entscheidungsprozeß bei der Verkehrsmittelwahl wird bestimmt durch die vorhandenen Außenreize. Das heißt, dass die Art der Mobilität mit dem Angebot an Infrastruktur weitgehend festgelegt wird. Bei der Bereitstellung einer Infrastruktur, die sowohl in der Menge, als auch in der Gestaltung (Fahrbahnbreiten, etc.) in erster Linie auf den Autofahrer ausgerichtet ist, erscheint es folglich logisch, dass jeder, der kann, auch das Auto benützt. Die heutigen Siedlungs- bzw. Verkehrsstrukturen sind derart gestaltet, dass dem Autofahrer eindeutig signalisiert wird, er sei der privilegierte Verkehrsteilnehmer. Ein dementsprechendes, der Verkehrssicherheit unzuträgliches Verhalten ist nicht selten die Folge davon. Verkehrssicherheit entsteht aus den Beziehungen zwischen (potentiellen) Verursachern und (potentiellen) Opfern von Gefahren. Für den Begriff „Verkehrssicherheit“ selbst gibt es eine Reihe unterschiedlicher Definitionen in Abhängigkeit zum jeweiligen Fachbereich. Von Verkehrstechnikern wird Verkehrssicherheit in der Regel über Unfalldaten definiert. Bei dieser Definition, in der vorliegenden Arbeit als „objektive Verkehrssicherheit“ bezeichnet, wird jedoch ein entscheidender Aspekt nur indirekt miteinbezogen, nämlich der Mensch selbst. So kann bzw. muss auch noch von „subjektiver Verkehrssicherheit“ gesprochen werden, im Rahmen derer das individuell empfundene Ausmaß an (Un-)Sicherheit im Straßenverkehr herangezogen und dadurch der Mensch selbst in den Mittelpunkt gestellt wird. Dementsprechend legen sich auch die Bewertungsmöglichkeiten der Verkehrssicherheit dar - traditionellerweise wird die Verkehrssicherheit eines Straßenabschnittes, eines Verkehrsweges oder eines politisch abgegrenzten Bereiches anhand von Unfalldaten bewertet. Bei derartigen quantitativen Bewertungsprozessen wird jedoch der Mensch selbst nur indirekt als Verursacher von Statistiken berücksichtigt. Daher bedarf es der Bewertung der Verkehrssicherheit auf subjektiver Ebene, das heißt der Miteinbeziehung subjektiver Indikatoren darüber, wie die einzelnen Menschen - die am Verkehr Beteiligten und von ihm Betroffenen - diese Dinge erleben. So wurde im Rahmen der vorliegenden Arbeit eine Befragung durchgeführt, um mehr darüber zu erfahren, wie sicher oder unsicher sich der Fußgeher - der Mensch - im Straßenverkehr fühlt und von welchen Faktoren dieses Sicherheitsgefühl beeinflusst wird. Die vordringlichste Ursache für die bei den befragten Fußgehern im Straßenverkehr auftretenden Gefühle von Unsicherheit liegt begründet in rücksichtslosen Verhaltensformen der Autofahrer. Es kristallisierten sich in erster Linie überhöhte Geschwindigkeiten der Autofahrer sowie das Queren von Fahrbahnen - aufgrund der potentiellen Gefährdung des Fußgehers durch den Autofahrer - als Problembereiche heraus. Auch die Beleuchtung spielt hinsichtlich der subjektiven Sicherheit eine große Rolle, wobei hierbei nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Beantwortung dieser Frage nicht ausschließlich in Hinblick auf die Verkehrssicherheit erfolgte. Bei den Auswertungen wurde differenziert nach Geschlecht und Altersgruppen. Ein Einfluss des Geschlechtes bezüglich der gewählten Antworten scheint nicht zu bestehen, bei den Altersgruppen hingegen sind Unterschiede bei der Beantwortung festzustellen. Auffallend ist, dass bei der vorliegenden Studie mit zunehmenden Alter die eigenen Ansprüche als Fußgeher häufig sinken. Im Rahmen einer zweiten Befragung - in dieser Arbeit als Pilotstudie bezeichnet -galt es zu prüfen, inwieweit ein Einfluss der Befragungsumgebung besteht und - als den die Befragung I ergänzenden Aspekt - ob Unterschiede bei den Antworten in Abhängigkeit des vorwiegend genutzten Verkehrsmittels auftreten. Die Befragungsumgebung scheint nur beim Fragenkomplex III „Auswirkungen von unterschiedlichen Situationen im Straßenverkehr auf das individuell empfundene Ausmaß an Sicherheit“ in die Beantwortung mit einzufliessen. Bei den anderen, allgemein formulierten Fragen hingegen fielen die Antworten sehr ähnlich aus. Im Gegensatz dazu sind eindeutige Unterschiede in Abhängigkeit zu dem vorwiegend genutzten Verkehrsmittel zu erkennen. Die befragten Fußgeher, die vorwiegend das Auto benützen, tendieren eher dazu, sich im Straßenverkehr in allen erhobenen Situationen  sicherer zu fühlen als diejenigen, die vorwiegend zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem öffentlichen Verkehrsmittel unterwegs sind. Zur Erhöhung der subjektiven Sicherheit von Fußgehern im Straßenverkehr sind folglich Veränderungen des Verhaltens vieler Autofahrer notwendig, die langfristig nur durch einen Umbau der Siedlungen, wo das Auto nur noch unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt werden kann, erreicht werden können. Als kurzfristige Lösungen sollten zumindest jene Maßnahmen umgesetzt werden, die das Queren von Fahrbahnen sicherer gestalten bzw. dem Schlagwort „Verkehrsberuhigung“ zugeordnet werden können.

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