Verkehrsplanung und Verkehrstechnik | Institut für Verkehrswissenschaften

Technische Universität Wien

Eva Schragl

TRANSPORTKOSTEN UND PRODUKTPREISE

Mit dem weiterhin ständig wachsenden Güterverkehr gehen zunehmende ökologische und infrastrukturelle Probleme einher. Ein Einflussfaktor bei der dabei maßgeblich beteiligten Ausweitung der internationalen Handelsbeziehungen (und damit auch bis zu einem gewissen Grad der Globalisierung), war die Reduktion der Transportkosten und der Abbau von Handelsbarrieren. Im Gegenzug dazu wurden bis jetzt' allerdings keine den Auswirkungen der ansteigenden Verkehrsleistungen entsprechenden Maßnahmen zu deren Abdeckung oder andere Formen zur Eindämmung dieses Anstiegs realisiert. Begründet wird dies vielerorts damit, dass eine Steigerung der Konkurrenz sich positiv auf deren Effizienz auswirke und dass Maßnahmen auf staatlicher Ebene keine entsprechenden Wirkungen hätten und zudem die Konkurrenzfähigkeit der österreichischen Firmen und des Standortes Österreich beeinträchtigen würden. Diese Vorgangsweise widersprach und -spricht den Prinzipien einer nachhaltigen Entwicklung in zwei der drei fundamentalen gesellschaftlichen Zielsetzungen. Weder wird der Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen, noch den Zielen der Wirtschaftlichkeit entsprochen. Da bei infrastrukturellen Engpässen schließlich auch die wirtschaftlichen Aktivitäten immer mehr behindert und eingeschränkt werden. In Bezug auf den Beitrag dieser Handlungsweise zur Verstärkung der Globalisierung und damit auch deren negativen Auswirkungen können langfristig damit sogar Beeinträchtigungen des sozialen Friedens mitverursacht werden. In Bezug auf die Konkurrenzfähigkeit der Firmen und des Standortes und deren Erhaltung sind die Möglichkeiten bis zu einem gewissen Grad eigentlich bekannt: entweder man pariert mit den gleichen Wirtschaftspraktiken wie ein großer Teil der Konkurrenz und oder man bleibt wertvollen Grundsätzen treu, setzt diese und andere Qualitäten (z.B. Nachhaltigkeit) als Waffe ein und sucht sich in diesem Kampf Verbündete. Das Parieren mit billigen Transportkosten bedeutet das Beschreiten des ersteren Weges. Wobei man sich bei diesem Weg die Frage stellen muss, wie weit er gegangen werden kann - erstens bei der bestehenden Gesetzeslage, zweitens ohne dass die Lebensqualität Österreichs und die Billigung der Bevölkerung zu weit sinkt und drittens ohne dass dadurch auch früher oder später die Wirtschaft selbst stark darunter leidet. Die Konkurrenzfähigkeit der österreichischen Firmen und des österreichischen Standortes kann auch mit vielen anderen Maßnahmen (wie z.B. Werbung) gestärkt werden, dazu ist nur bei bestimmten Produkten (bei denen die Abnehmer zu sehr über die Fläche verteilt sind) eine Vergrößerung der Absatzmärkte durch billige Straßen notwendig. Außerdem ist es falsch zu behaupten, die Standortbedingungen für die Wirtschaft wären nur wegen der gleich billigen Transportwege nun homogen. Insofern wären Maßnahmen zum Ausgleichen der anderen Unterschiede genauso sinnvoll bzw. wenn sie nachhaltiger durchgeführt werden könnten sogar sinnvoller. Die momentane Handlungsweise bringt bei vielen Produkten -wie z.B. Tourismusangebote oder bestimmte Lebensmittel - sogar negative Folgen mit sich. Betrachtet man z.B. den Nahrungsmittelsektor so lässt sich feststellen, dass die Steigerungen der Verkehrsleistungen nicht mit einem Anwachsen des Konsums pro Einwohner - bei dem es zudem eine physikalische Grenze gibt - verknüpft sind. (Deshalb werden Grundnahrungsmittel auch als Güter mit einer starren Nachfrage bezeichnet.) Das bedeutet allerdings, dass sich die Transportdauer vieler Produkte (und -bestandteile) erhöht hat, was eine Verminderung ihrer Qualität mit sich bringt - wegen des zunehmenden Konservierungsbedarfs oder wegen der über höhere Zeiträume auf die Nahrungsmittel einwirkenden Transportbedingungen. Auch das Risiko, dass Fehler in der Behandlung der Güter auftreten, steigt mit der Entfernung und den Umladungen an. Um die Transportweiten, -kosten und Auswirkungen von Transportkostenänderungen praktisch demonstrieren zu können wurden anhand der Nahrungsmittel Rindfleisch und Vollmilch alle Distanzen die für deren Produktion und Vertrieb erforderlich waren, in Form von produktspezifischen Transportkettenanalysen erhoben. Dazu wurden exemplarisch drei landwirtschaftliche Unternehmen ausgesucht und sie selbst sowie auch ihre Zulieferer und ihre Abnehmer befragt. Die landwirtschaftlichen Betriebe wurden dabei nach dem Zufallsprinzip ausgewählt - nur auf ihre unterschiedliche Spezialisierung (reine Fleisch-, überwiegende Milch- bzw. ungefähr ausgeglichene Milch-/Fleischproduktion) und eine gewisse Spannweite der Rinderzahlen pro Halter wurde Wert gelegt. Sie sollen daher keine Extrembeispiele für österreichische Verhältnisse darstellen. Im Bereich des Handels wurden - falls gegeben - Entfernungsanteile bei einem Direktverkauf, dem Absatz in einem für den Vertrieb der Unternehmen durchschnittlich weit entfernten Einzelhandelsgeschäft und dem Vertrieb über einen Großhändler berechnet. Mit den sich daraus ergebenden Ergebnissen konnte nun einerseits die Höhe der Entfernungsanteile je Produkt bei diesen Lebensmittel mit einem relativ geringen Verarbeitungsgrad beziffert und andererseits die Auswirkungen von entfernungsabhängigen Transportkostenerhöhungen auf die Produktpreise (bei einer vollständigen Überwälzung auf die Preise) simuliert werden. Schlussendlich wurden den Anforderungen der Nachhaltigkeit entsprechende Lösungsvorschläge im Bereich der betrachteten Unternehmen gemacht und zur Gestaltung der Transportkosten generell gemacht.

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