Verkehrsplanung und Verkehrstechnik | Institut für Verkehrswissenschaften

Technische Universität Wien

Harald Frey

ARGUMENTATIONSÜBERPRÜFUNG ZU VERKEHRSWEGEINVESTITIONEN BEI BERÜCKSICHTIGUNG VON VERKEHRS- UND GESELLSCHAFTSPOLITISCHEN ZIELSETZUNGEN SOWIE ÖKONOMISCHEN UND ÖKOLOGISCHEN RANDBEDINGUNGEN UND DEREN ENTWICKLUNG

Ausgehend von der geschichtlichen Entwicklung des Straßenbaues im 20. Jahrhundert werde ich im Folgenden die noch immer vorherrschenden Dogmen und Paradigmen der neuzeitlichen Verkehrsplanung untersuchen. Um jedoch die Frage zu beantworten, warum diese Ideologien im Verkehrs-, genauso wie im Wirtschaftssystem, beide sind ja eng miteinander verbunden, entstehen konnten und auch heute noch unsere Gesellschaft beherrschen, wird es notwendig sein, den Ursprung dieser Theorien zu beleuchten und auch die Frage zu stellen, wie diese zustande kamen. Warum sie so schnell zur Vorherrschaft gelangten und sie oft bis heute, da immer mehr die negativen Auswirkungen sichtbar und spürbar werden, von vielen verteidigt werden. Diesbezüglich werden vor allem unsere evolutionäre Ausstattung und unsere Kenntnis über sie im Mittelpunkt stehen und mit ihr der Wandel der Bildung in den letzten Jahrhunderten. Beide haben maßgeblichen Einfluss und werden bei der gewünschten Lösung der Problematik eine wesentliche Rolle spielen. R. Riedl hat mit der Aufbereitung und Weiterentwicklung der Evolutionstheorie, bzw. der evolutionären Erkenntnistheorie ein exzellentes Werkzeug geschaffen, welches durch seinen universellen Charakter in vielen Disziplinen, auch im Verkehrswesen, als auch im Wirtschaftssystem angewendet und bestätigt werden kann. Sie vereinigt Thematiken allen voran der Biologie und der Philosophie und bestätigt damit auch gewonnene Erkenntnisse von A.Schweitzer und E.Fromm. Das Ausklammern des Menschen und seinen Eigenschaften aus dem Verkehrssystem und eine Reduktion auf technische Bauweisen und Projektierung war einer der Gründe, warum die Bauingenieure mit ihrer Ausbildung, zwar sehr wohl in der Lage waren ihrer Disziplin als Straßenbauer nachzukommen, aber nicht ihre Auswirkungen auf ein komplexes System begreifen konnten.(es wurde ihnen auch nicht beigebracht). Dennoch. Ich werde zeigen, dass der Krankheitsgrad unserer Gesellschaft weiter fortgeschritten ist, als sich das viele von uns zu Denken gewagt haben. Die wissenschaftlichen Kenntnisse der Verkehrsplanung werden schlichtweg überhört und man versucht die Probleme durch die Flucht in eine Scheinwelt, einer virtuellen Realität, zu lösen. Durch das Vergötzen eines irrealen Systems wird die Flucht aus der „harten“ Realität jedoch nur kurzzeitig (im Sinne der Menschheitsgeschichte) gelingen können. Seit fast 100 Jahren wird davor gewarnt, dass wir ein immer unbeherrschbareres System weiter ausbauen, auf Grundlage eines Wirtschaftssystems, welches schon längst zum Selbstzweck verkommen ist. Die Auswirkungen sind grundlegend und gleichzeitig schaffen sie Rahmenbedingungen, die einen vernünftigen Systemwechsel mehr und mehr erschweren. Immer wieder werden von Politikern wirtschaftliche Gründe als Hauptargumente für Verkehrswegeinvestitionen angeführt, die so irreal sind, wie das Wirtschaftssystem selbst. Entscheidend wird sein, und diese Diplomarbeit soll dazu beitragen, dass wir unsere Umwelt, so wie wir sie in den letzten Jahren, vor allem durch technische Verkehrssysteme, verändert haben, nicht als naturgesetzliche Realität, an der wir nichts mehr verändern können, und die wir als selbstverständlich nehmen, betrachten. Dazu braucht es Phantasie, Kreativität und auch eine entsprechende Persönlichkeit und ein Selbstbewusstsein der Planer. Eine Ausbildung die dies, wie unser Wirtschaftssystem, vernichtet, kann niemals Ausweg aus diesem Dilemma sein. Der homo consumens (E.Fromm) ist genauso, wie der homo oeconomicus dazu nicht mehr fähig. Er ist Opfer eines Raubtierkapitalismus (J.Ziegler) oder Kasinokapitalismus (R.Kurz) und hat sein „Selbst“ verloren (Ibsen). Der homo sapiens sapiens ist dazu in der Lage. Noch gibt es ihn.

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